Hersteller als Gastgeber

Velobiz Summit – November 2018

Klassische Business-Hotels sind zweckmäßig aber langweilig. Und einer Event-Umgebung Themenoptik zu geben, ist teuer. Warum also nicht direkt bei einem großen Branchenteilnehmer tagen. Der gibt sich Mühe, weil er einen Ruf zu verlieren hat.

Die Fahrradbranche trifft sich in Schweinfurt. Traditionell sitzen einige Hersteller für Rad-Komponenten und Zubehör im Fränkischen. Die direkte Nachbarschaft zu Automobilzulieferer Schaeffler und zu Kugelfischer ist kein Zufall.

SRAM-Gelände in Schweinfurt.

Und die Radbranche trifft sich nicht in einem Konferenzhotel sondern direkt bei SRAM, einem der Marktführer in Sachen Fahrradschaltung. Die haben vor Jahren einen Teil ihrer Fertigung ins Ausland verlegt und die leer gewordene Halle zu einem Schulungszentrum umgebaut. Der Hauptraum fasst etwas mehr als 100 Personen in parlamentarischer Bestuhlung, die Nebenräume zwischen 10 und 50 Personen.

Hauptschulungsraum im Dealer Center von SRAM in Schweinfurt

Eine solche Raumaufteilung hätte man sicher auch bei jedem normalen Tagungshotel in der Innenstadt bekommen. Und die Technik funktioniert gut, aber ist auch nicht überragend. Die Headsets sind in die Jahre gekommen und nach heutigem Maßstab unbequem. Und für die Podiumsdiskussion hätten wir zwei Handmikros mehr brauchen können.

Was man aber definitiv bei keinem Tagungshotel in ganz Deutschland bekommen hätte, wäre die dichte Fahrrad-Atmosphäre. SRAM hat sich von verschiedenen Herstellern, die die eigenen Komponenten verbauen, Demo-Räder besorgt und mit denen das Schulungszentrum dekoriert. Da hängen spektakuläre Fatbikes neben edlen Rennmaschinen und natürlich allerhand unterschiedliche eBike-Konzepte. Besonders edel ist der Eingangsbereich gelungen. Hier dürfen Räder, Zahnräder und Bauteile in roten Vitrinen glänzen.

Stimmungsvoller Eingang bei SRAM. Im Gegensatz zum anonymen Hotel bleibt der gesamte Tag beim Thema „Fahrrad“. (Bildquelle: Cycleholix.de

Die Ankunft im Schulungszentrum und das Durchschreiten des Ausstellungsbereichs macht etwas mit den Teilnehmern. Sie haben vom ersten Moment an keinerlei Schwellenängste. Viele von den Teilnehmern kommen unterjährig zu Schulungen oder Vertragsverhandlungen hierher und kennen das Ambiente. Die anderen werde eingefangen von ihrem Lieblingsthema, dem Fahrrad.

Aus der Perspektive des Herstellers, lohnt sich eine solche Investition allemal. Die Räumlichkeiten braucht man ohnehin, um Händlerschulungen durchzuführen. Gleichzeitig zeigt man aber in der Branche Präsenz und darf eigene Mitarbeiter zur Konferenz schicken und damit einen Teil der entgangenen Miete wieder erwirtschaften.

Allerdings sollte dem Vermieter klar sein, dass er für die Dauer der Konferenz nicht mehr Herr im eigenen Haus ist. Wenn man zum Beispiel eine Abendveranstaltung zulässt, dann muss man sie auch laufen lassen können. In unserem Fall ging es bis hab eins. Das war in Ordnung.

Gute, einfach funktionierende Technik und eine thematische Nähe zum Thema der Veranstaltung.,dafür weniger Glamour im Vergleich zu großen Hotels. Unser Fazit: Themen-Locations erhöhen vor allem die Kommunikationsbereitschaft.

Ich durfte bei Google in Hamburgs ABC-Straße auch schon das Gegenteil erleben. Man hatte sich mit einem Veranstalter darauf geeinigt, ein Vortags-Event als Auftakt zu einer größeren Konferenz zu unterstützen. Als dann die Rede darauf kam, dass man kleine Bereiche der Fläche für eine Foyerausstellung nutzen wollte und dazu auch noch einiges an technischer Ausstattung benötige, entspannen sich alsbald hitzige Diskussionen um einen derartigen Missbrauch der Google-Räume. Und dabei handelte es sich um ein Event mit den Themen Virtual und Augmented Reality, also mithin Kerndisziplinen aus dem Google-Spektrum.

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