Content Marketing – Das war die CMCX 2019

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Zwei Tage randvoll mit Content Marketing: Die Content Marketing Conference CMCX fand Mitte März zum neunten Mal statt und sie entwickelt sich jedes Jahr weiter. Eine große Marke gab der anderen die Klinke in die Hand und berichtete von den Möglichkeiten und Schwierigkeiten von Content Marketing, Native Advertising, Influencer Marketing und allen verwandten Disziplinen.

Christoph Assmann von Sict

Christoph Assmann lieferte detaillierte, praktische Tipps (Quelle:@wachowiak_s via Twitter)

Die  starke Präsenz der großen Marken kann eventuell auch den Raum für Verbesserungen markieren. Etwas zu kurz kamen – zumindest aus meiner Sicht – die „daily operations“, die ja vor allem für kleine und mittlere Unternehmen besonders wertvoll sind. Das Finden der versteckten Diamanten in den Fallstudien der Großen ist nicht immer ganz einfach.

Dass beides zusammen geht, zeigte die Präsentation von Christoph Assmann von Sixt. Er stand vor der Aufgabe, eine Mietwagen-Flatrate zu bewerben. Ein Produkt, dass zu nischig ist, um teure TV-Ausgaben zu rechtfertigen. Gleichzeitig handelt es sich um eine Innovation, die natürlich keinerlei Suchvolumen generiert, auf das man bieten könnte.

Das Mittel der Wahl war also eine Content Strategie mit Focus auf Social Media. Assmann zeigte nicht nur, welche harten Verkaufsindikatoren in der Erfolgsmessung angelegt wurden. Er präsentierte außerdem, wie er im Targeting bei Facebook genau vorging. Große Marke und praktische Details zum Lernen in der Präsentation. Vorbildlich.

Aber die CMCX ist kein Event, wo sich die Branche nur selbst feiert. Die Kehrseite der Content-Medaille wurde in vielen Vorträgen deutlich sichtbar. Gleich mehrere Speaker sprachen sich für mehr Qualität in der Produktion von Inhalten aus. Susan Schramm, Vorstand Marketing von McDonalds eröffnete den Tag mit der Forderung nach dem „Ende der Massenproduktion“ … von Content.

Hornbach Spot

Katja Sottmeier von Hornbach zeigte den provokanten neuen Spot der Baumarktkette (Quelle: @eddavogt via Twitter)

Den Finger tief in die Wunde legte der erste Speaker des zweiten Tages: Coskun Tuna, Mitgründer der Seeding Alliance. Der hohe Effizienzdruck auf Seiten der Publisher und Verlage führt dazu, dass immer stärker automatisiert wird. Und das wiederum – gepaart mit pauschalen Rahmenverträgen – führt dazu, dass die Publisher die Kontrolle über die Inhalte verlieren. Fake News, Click-Baiting und absurde Bild-Textkombinationen mit asiatischen Schriftzeichen sind auf allen großen Publisher-Websites zu finden. Wenn das weiter um sich greift, schadet das der gesamten Branche und dem System Content Marketing und wird zu mehr Nachfrage nach Adblockern und verstärkter Kontrolle durch die Regulierer führen, sagt Coskun Tuna. Im Anschlussvortrag bekannte Felix Gondron, der die Geschicke des Technikmagazins Chip leitet, dass man sich große Mühe gebe, die Inhalte zu kontrollieren, aber dass das im Alltag nicht zu 100 Prozent funktioniert.

Bereits am Vortag hatte der Star-Youtuber Felix von der Laden (alias DNer) angeprangert, dass Ähnliches auch im Influencer-Marketing gilt. Die Beliebigkeit, wie so mancher erfolgreiche Instagramer oder Youtuber mit dem umgeht, für was er gegenüber seinem Publikum wirbt, schadet auf Dauer dem gesamten System Influencer-Marketing. Felix von der Laden hat sich mit seiner eigenen Agentur 25Mate darauf spezialisiert, die „letzte Meile“ zwischen Werbekunden und Influencern zu überwinden, damit  beide zusammen spannende Konzepte erarbeiten, statt anonyme Massenware zu produzieren. Und auch die Marketer von Velux und CeWe sekundierten, dass höhere Qualität im Content-Marketing allemal wichtiger sei, als die einfache Skalierbarkeit, nach der viele Branchenteilnehmer rufen.

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Wo steht Influencer-Marketing heute? Felix von der Laden, alias DNer äußerte kritische Töne zum Hype (Quelle: Felix Hummel, Buzzbird)

Unterm Strich bot die CMCX ein breites Spektrum an Inhalten rund um Content-Marketing. Veranstalter René Kühn sprach von insgesamt 5000 Teilnehmern und versprach für die nächste, die zehnte Ausgabe, etwas „ganz Besonderes“. Man darf gespannt sein.

Der Veranstaltungsort in den Münchner Messehallen war in Ordnung. Allerdings fanden zum gleichen Zeitpunkt zwei weitere Events und die Aufbaumaßnahmen zur großen BAUMA statt und so waren An- und Abfahrt doch etwas beschwerlich. Dafür funktionierte das Catering im ersten Stock dieses Jahr deutlich besser. Der Catering-Bereich war weitläufiger und das Publikum verteilte sich. Außerdem gab es auch so simple Dinge wie belegte Brötchen beim Mittagsbuffet. Sehr praktisch für diejenigen, die es ganz eilig haben.

Ich durfte die CMCX zum neunen Mal moderieren und konnte einiges an Geschichten für redaktionelle Arbeiten mitnehmen. Angeregt durch den Kurzvortrag von Sebastian Callies, der das Publikum aufforderte, mehr Haltung zu zeigen, habe ich noch schnell ein gemeinnütziges Spendenprojekt bei CharityWater.org ins Leben gerufen. Das Projekt läuft noch zwei Monate. Wer diese Zusammenfassung liest, ist herzlich aufgerufen, einen Beitrag zu leisten (natürlich gegen Spendenquittung) und auch den Link weiter zu leiten.

Charity Water

Das Projekt Charity Water hilft bei der Wasserversorgung in Afrika (Bild: charitywater.org)

Und hier noch einige ausgewählte Zitate der Speaker:

Susanne Schramm, Vorstand Marketing Deutschland:

„Es wird höchste Zeit für weniger Massenproduktion im Content Marketing“.

Katja Sottmeier, Leitung Digital &CRM Hornbach Baumarkt:

„Wir haben die Freiheit, Dinge zu probieren, die immer etwas drüber sind“.

Thomas Schwetje, Leiter Marketing, Coop Schweiz:

„Wir betreiben seit 160 Jahren Content Marketing, ohne es zu wissen“:

Felix Hummel, Gründer von Buzzbird:

„Je böser die Rapper schauen, umso größer das Engagement“

Coskun Tuna, Mitgründer der Seeding Alliance:

„Der Weg führt derzeit durch das Mordor des Native Advertising“.

Patrick Rembe, Head of Content Marketing bei Cewe:

“Unsere Erfahrungen mit Service-Redaktionen waren nicht gut”.

Micky Beisenherz, Autor und Moderator:

„Das Internet ist Blendwerk. Viele blöffen sich hoch, manche dummen sich runter“.

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